Ein Schlagabtausch der sachlichen Art

Oberbürgermeisterwahl: Gewerbeverein fragt den Amtsinhaber und den Herausforderer nach ihren Strategien für die Stadt


Mühlehof, Verkehrsführung in der Bahnhofstraße, Zukunft der Fußgängerzone, City-Management: Der Mühlacker Gewerbeverein hat Amtsinhaber Arno Schütterle und seinen Herausforderer bei der OB-Wahl, Frank Schneider, nach ihren Konzepten gefragt.

Die OB-Kandidaten beim GHV
Gruppenfoto nach dreistündigem Fragen und Antworten (v. li.): Oberbürgermeister Arno Schütterle, die Chefs des Mühlacker Gewerbe-, Handels- und Verkehrsvereins, Hans-Dieter Slobodkin und Hans-Ulrich Wetzel, die die Konkurrenten kritisch auf Herz und Nieren prüften, sowie Herausforderer Frank Schneider, der den Amtsinhaber als OB ablösen will. Foto: Sadler

Mühlacker. Von einem direkten Schlagabtausch waren die beiden Kontrahenten, die erstmals im Wahlkampf direkt aufeinandertrafen, weit entfernt. "Wir möchten wissen, was Sie sich in den nächsten acht Jahren vorstellen", sagte Gewerbevereinsvorsitzender Hans-Dieter Slobodkin eingangs der dreistündigen Gesprächsrunde. Doch beide Bewerber, der grüne OB und der liberale Herausforderer, setzten auf Sachlichkeit; vermieden frontale Attacken.

Der Mühlehof ist für Frank Schneider nicht nur im Wahlkampf "eines der Hauptthemen", wenn es um die künftige Stadtentwicklung geht. Als Stadtrat sei er bislang nur "Zuschauer" der Entwicklung, als OB wolle er "Handelnder" sein. Ehe eine Erweiterung und ein Großmarkt infrage kämen, gelte es, die Auswirkungen auf die vorhandenen Einkaufsmärkte zu bedenken. Und falls die Wiederbelebung scheitern sollte, stelle sich vor einem etwaigen Abriss die Frage nach einem Ersatz für den Kultursaal. Den Bau einer neuen Kulturhalle könne sich die Stadt nicht leisten.

Arno Schütterle bezeichnete den Mühlehof als "guten Einkaufsstandort", an dem er weiterhin festhalten wolle. Hier müsse eine große und marktgerechte Einkaufsfläche eingerichtet werden, plädierte der OB dafür, die Erweiterungs- und Neubaupläne der Eigentümerfirma Echo mitzutragen.

Übereinstimmung herrscht zwischen den beiden Kandidaten bei der Frage, wie das Areal Lienzinger Tor genutzt werden solle: kein großflächiger Einzelhandel, sondern Büros und Dienstleistungen.

Anders sieht es im Hinblick auf die Bahnhofstraße aus. Arno Schütterle bekannte sich als Befürworter eines Einbahnverkehrs und sprach sich für einen Probelauf aus. Frank Schneider würde den Zweirichtungsverkehr gerne beibehalten.

Was die Anstellung eines City-Managers betrifft, signalisierte Schneider den Händlern "volle Unterstützung", doch komme es nicht in Frage, dafür zusätzliche Schulden zu machen. Eine Finanzierung könne nur durch eine Umschichtung von Ausgaben bewerkstelligt werden.

Auch Schütterle ("Wir müssen aktiv sein") erinnerte an die massiven Finanzprobleme der Stadt, für die gerade eine Haushaltssperre gelte. Aufgrund der schwierigen Lage sehe sich die Kommune möglicherweise gezwungen, als Nächstes einen Doppelhaushalt aufzustellen.

Wieder Verkehr in der Fußgängerzone?

Aus den Reihen der rund 25 Geschäftsleute wurde ein kommunalpolitischer Dauerbrenner zur Sprache gebracht: die Zukunft der Fußgängerzone in der unteren Bahnhofstraße. Geht es nach dem Gewerbeverein, soll im Interesse der Geschäfte der Verkehr wieder fließen.

Schneider plädierte dafür, das "brandheiße Thema" offen anzugehen. Es sei zu überlegen, den Verkehr in einer Übergangsphase zuzulassen, bis der Mühlehof wiederbelebt sei. Dann würde sich in der Fußgängerzone auch das Kundenaufkommen, das zurzeit unter dem leer stehenden Mühlehof leide, wieder erhöhen.

Schütterle merkte an, es gebe circa 120 Ausnahmegenehmigungen für die Einfahrt in die Fußgängerzone. Für Experimente habe die Stadt derzeit kein Geld, und im Übrigen gingen die Ansichten - auch bei den Anliegern in der Fußgängerzone - auseinander. "Es gibt keine mehrheitliche Linie für irgendeine Richtung."

Während der Herausforderer den Amtsinhaber von Angriffen verschonte, musste sich OB Schütterle aus den Reihen des Gewerbevereins kritische Anmerkungen gefallen lassen. So wurde zum Beispiel beanstandet, dass das frühere Viktoria-Gelände in Enzberg nicht schnell genug für Gewerbeansiedlungen vermarktet werde.

Bevor Vorsitzender Slobodkin eine "sehr interessante" Veranstaltung schloss, durften die Bewerber ihre "Visionen" darlegen. Für Arno Schütterle hat die Bildung samt Aus- und Weiterbildung sowie einer Kooperation zwischen Schulen und Wirtschaft Vorrang. Frank Schneider möchte als OB "Mühlacker einen" und setzt darauf, dass die Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Die Stadt müsse "stärker werden" und ihre Chancen nutzen.

(Mühlacker Tagblatt vom 23. September 2009, Thomas Sadler)

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