Die Innenstadt als Erlebniskaufhaus

Ehemaliger Nagolder OB Rainer Prewo stellt das Modell für ein erfolgreiches City-Management vor


Wie das Modell eines City-Managements für Mühlacker in der Praxis funktionieren könnte, hat in seinem Vortrag der ehemalige Oberbürgermeister Rainer Prewo am Beispiel „seiner“ Stadt Nagold erläutert.

Unternehmerstammtisch zum Thema Citymanagement
Topaktuell: der Unternehmerstammtisch mit dem Ex-OB Professor Dr. Rainer Prewo (re.) und Hagen Breitling vom City-Verein Nagold (2. v. re.). Gastgeber der Veranstaltung waren (v. re.) Sparkassendirektor Volker Kamphausen, Gewerbevereinsvorsitzender Hans-Dieter Slobodkin, Sparkassen-Filialdirektor Ralph Günthner und der Gewerbevereins-Vize Hans-Ulrich Wetzel. Foto: Stahlfeld

MÜHLACKER. Um Mühlacker als attraktive Einkaufsstadt weiterentwickeln zu können, möchte der Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein einen City-Verein  für das Stadtmanagement gründen und sich die Kosten mit der Stadt teilen. Genau dieses Modell hat der heutige Landtagsabgeordnete Rainer Prewo vor sechs Jahren als Oberbürgermeister in Nagold gemeinsam mit der dortigen Geschäftswelt umgesetzt. Bei einem Unternehmerstammtisch in den Räumen der Sparkasse Pforzheim Calw legte er der Stadt Mühlacker dringend ans Herz, dem Beispiel zu folgen.

Nachdem der Durchgangsverkehr Ende der 90er Jahre erfolgreich aus Nagold verbannt worden sei, habe dies der Stadt die notwenige  „Ellenbogenfreiheit“ für eine attraktivere Innenstadt verschafft. Ziel sei es gewesen, einen lebendigen Ortskern zu schaffen und zu erhalten, erläuterte Prewo. „Stadt ist, wo die schönen Geschäfte sind“, zitierte der Referent den Historiker Martin Decker-Hauff und machte damit deutlich, wohin der Weg führen muss. „Man geht in die Stadt, um etwas zu erleben, nicht nur, um sich zu versorgen.“ Dieses Erlebnis könnten die  Einkaufszentren auf der grünen Wiese nicht im gleichen Maße bieten.

In Nagold wurde der Begriff „Kaufhaus-Innenstadt“ geprägt, wonach sich die gesamte Innenstadt in ein Erlebniskaufhaus verwandeln sollte. Größere  Vielfalt und mehr Wettbewerb, aber auch der Faktor Tradition zeichneten die gewachsenen Einkaufsmeilen der Stadtzentren gegenüber den unpersönlichen Großmärkten vor den Toren der Großstädte aus. „Unregelmäßige Häuser, Plätze und Gassen machen eine Stadt aus“, stellte Prewo fest.

Allerdings gebe es in den Einkaufszentren feste Spielregeln, und die sind nach Prewos Meinung auch in Städten erforderlich. Dazu gehören  inheitliche Öffnungszeiten und andere Vorgaben für den Qualitätsstandard der Geschäfte. „Die Innenstadt muss wie eine geschmückte Braut sein“, sagte Prewo und zeigte Bilder von der erfolgreichen Umgestaltung in Nagold. Innenstadtnahe Parkplätze, Fußgängerzonen und verkehrsberuhigte Bereiche sind dort nur ein Teil des Gesamtbilds. „Wo Brunnen sind, dort gehen Kinder hin – und die Mütter folgen. Diese aber sind die größte Kundengruppe“, nannte  Prewo ein einfaches, aber wirksames Beispiel, um Kunden anzulocken. Plätze ansprechend auszuleuchten, sei ebenso wichtig wie ein einheitliches Erscheinungsbild. So seien in der Nagolder Innenstadt nur beigefarbene und weiße Sonnenschirme zugelassen.

Schlechte Erfahrungen mit dem Gratis-Parken

Kostenlosen Kurzzeitparkplätzen, die in Mühlacker als eine Möglichkeit für eine verstärkte Kundenbindung diskutiert werden (unsere Zeitung hat berichtet), erteilte Prewo nach den Erfahrungen in Nagold eine klare Absage. In seiner ehemaligen Kommune habe die Einführung des einstündigen Gratis-Parkens vorrangig zu Problemen und zu einem gewaltigen Defizit der Parkhäuser geführt, erklärte der ehemalige Oberbürgermeister. Die Mühlacker Bahnhofstraße müsse sich vor einer historischen Altstadt nicht verstecken.

Rund 120000 Euro stehen dem 2003 gegründeten City-Verein in Nagold jährlich zur Verfügung. Als Zweiter Vorsitzender gab Hagen Breitling den 60 Teilnehmern der Gesprächsrunde, darunter viele Stadträte, Einblicke in die Strukturen.

Der Mühlacker Gewerbeverein steht derweil schon in den Startlöchern. „Wir wollen einen City-Verein gründen“, erklärte Vorsitzender Hans-Dieter Slobodkin den festen Willen der Geschäftswelt, die Innenstadt voranzubringen. Sowohl der Stadtverwaltung als auch den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat sei bereits schriftlich zugesichert worden, dass der Verein 50 Prozent der Kosten übernehmen wolle, erinnerte Slobodkin. Eine Einstiegssumme von 35000 Euro, welche die Mitglieder des Gewerbevereins beisteuerten, müsse im Laufe der Jahre auf 50000 Euro jährlich gesteigert werden. Bei einer paritätischen Verteilung der Kosten  stünden dann zusammen mit dem Anteil der Stadt jährlich 100000 Euro zur Verfügung, um Mühlacker als attraktive Einkaufsstadt zu etablieren.

Laut dem Gewerbevereinsvorsitzenden sind nun die Haushaltsverhandlungen für 2010 abzuwarten. Sollte das Geld für den City-Verein bereitgestellt werden,  könnte das Projekt Mitte nächsten Jahres starten.

(Mühlacker Tagblatt vom 16. Oktober 2009, Ulrike Stahlfeld)

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