Entscheidend sind die Kunden

Mühlackers neuer Citymanager Thomas Müller soll die Weichen für eine attraktive Einkaufsinnenstadt stellen


Thomas Müller heißt der neue Citymanager der Stadt Mühlacker. Der 42-Jährige aus Weinstadt im Rems-Murr-Kreis hatte sich im Bewerbungsverfahren gegen mehr als 30 Konkurrenten durchgesetzt. Mühlacker, sagt der Marketingfachmann, habe als Einkaufsstadt eine solide Basis.

Der neue Citymanager wird vorgestellt
Auf gute Zusammenarbeit: Oberbürgermeister Frank Schneider (2. v. li.), Gewerbevereinsvorsitzender Hans-Dieter Slobodkin (Mitte), die städtische Wirtschaftsförderin Anette Leitner (4. v. re.) und Vertreter des neuen Trägervereins „Mühlacker aktiv“ und der Sparkasse als Gastgeber der Vorstellungsrunde heißen den neuen Citymanager Thomas Müller offiziell willkommen.

Mühlacker. An seinen ersten Arbeitstagen ging es für ihn vor allem darum, die Innenstadt, ihre Atmosphäre und ihre Angebote zu beschnuppern. Der erste Eindruck, sagt Müller, sei überwiegend positiv: „Es gefällt mir sehr gut, es gibt hier im Vergleich zu anderen Städten vergleichbarer Größe einzigartige Geschäfte; ein großes Modehaus, aber auch kleinere Fachgeschäfte.“ Den Branchenmix hält der City-manager, der den örtlichen Einzelhandel stärken und die Einkaufsstadt voranbringen soll, für ordentlich; auch die Gestaltung der Bahnhofstraße mit ihren Baumreihen und die innerstädtische Flaniermeile bis hinab zum künftigen Gartenschaugelände im Wertle wertet Müller als Vorzüge der Stadt. Dagegen ist ihm, neben dem einen oder anderen leer stehenden Geschäft in Richtung Bahnhof, ein großer Makel in zentraler Lage nicht verborgen geblieben – der Mühlehof: „Hier gilt es zu handeln.“

Ein neuer Mühlehof-Manager ist Müller allerdings nicht, auch wenn es zu seinen Aufgaben gehört, im Falle von Geschäftsaufgaben in Zusammenarbeit mit dem Hauseigentümer nach attraktiven Lösungen für die Nachfolge zu suchen. Sechs Punkte umfasst der Aufgabenkatalog des Citymanagers, der beim neu gegründeten Trägerverein „Mühlacker aktiv“ angestellt ist, den der Gewerbeverein und die Stadt gemeinsam finanzieren. Der Citymanager soll die Geschäftswelt zu einer „Serviceoffensive“ – inklusive dem Ziel gemeinsamer Kernöffnungszeiten – motivieren, er soll gemeinsame Werbestrategien entwerfen und einen „Erlebnisraum Innenstadt“ kreieren, er soll die Mühlacker Card professionell betreuen und Großveranstaltungen wie den Mühlacker Frühling, den Martinimarkt und den Dürrmenzer Herbstmarkt mitorganisieren und über ein „Flächenmanagement“ den Kampf gegen Leerstände oder unerwünschte Nutzungen – Stichwort Wettbüros und Spielhallen – führen. Im Zentrum seiner Arbeit, dies betonten bei der Vorstellung die Vertreter von Gewerbeverein und Stadt, stehe eindeutig die Einkaufsinnenstadt als Zentrum des Einzelhandels; inklusive der Ortsmitte von Dürrmenz. „Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing“, erläuterte Oberbürgermeister Frank Schneider, kraft Amtes Vize-Vorsitzender des Trägervereins, zur Abgrenzung gegenüber der Tätigkeit der städtischen Wirtschaftsförderin Anette Leitner, seien als Aufgaben deutlich weiter gefasst.

In absehbarer Zeit wird Citymanager Müller sein Büro in den früheren Räumen des Reisebüros Mauch in der Fußgängerzone – Bahnhofstraße 29 – beziehen und dort zu festen Zeiten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. „Er soll agieren, nicht nur reagieren“, hofft Hans-Dieter Slobodkin, Vorsitzender des Gewerbevereins und des Trägervereins „Mühlacker aktiv“, auf neue Impulse durch den Citymanager. Die breite Unterstützung für Müller zeige sich im einstimmigen Votum im Zuge des Auswahlverfahrens. Ursprünglich hatten sich 32 Kandidaten für den Posten beworben. „Die fachliche Qualifikation mit Schwerpunkt Marketing und seine Kontaktfreudigkeit haben den Ausschlag gegeben“, fasste Hans-Ulrich Wetzel, stellvertretender Vorsitzender des Gewerbevereins und des Vereins „Mühlacker aktiv“, zusammen.

„Im Kopf steckt vieles, das ich umsetzen will“
Citymanager Thomas Müller

Die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und Brücken zu bauen, hält denn auch Thomas Müller für eine seiner Stärken. Vorerst gehe es für ihn darum, das Gespräch zu suchen – mit den Entscheidungsträgern, den Geschäftsleuten, aber auch mit den Bürgern und Kunden. „Ich denke immer 100 Prozent in Marketing, also immer aus Sicht der Kunden“, versicherte der Citymanager. Wobei „Kunden“ für ihn sowohl die Einkäufer als auch die Besucher und Bewohner der Innenstadt seien. Nach einem Masterstudium in Stadtmanagement „steckt vieles im Kopf drin, das ich umsetzen will“, zeigte sich Müller hochmotiviert.

Der Umstand, dass das Projekt des Citymanagements vorerst auf drei Jahre begrenzt ist, bevor neu entschieden werden soll, macht ihn nach eigenem Bekunden nicht bange: Er gehe davon aus, dass die Stadt, wenn sich erste Erfolge zeigten, auf seine Arbeit nicht mehr verzichten wolle, blickte der Citymanager bereits auf das Jahr der kleinen Gartenschau 2015 voraus.

Zur Person

Thomas Müller
Der neue Citymanager der Stadt Mühlacker, 42 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei vier und acht Jahre alten Kindern, ist in Waiblingen geboren und lebt heute in Weinstadt im Remstal. Nach dem Abitur in Waiblingen und einer Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei einem Autohaus in Stuttgart studierte er von 1991 bis 1995 in Ludwigshafen Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing und absolvierte zusätzlich zum Diplom, ab Oktober 2008, einen zweijährigen Masterstudiengang „urban management“ (Stadtmanagement) in Leipzig, den er erst kurz vor seinem Wechsel nach Mühlacker erfolgreich abgeschlossen hat.

Der berufliche Werdegang liest sich durchaus spannend, so war Thomas Müller als Unternehmensberater für einen Dienstleister aus dem Gesundheitssektor tätig, bevor er sich gemeinsam mit dem Bruder und dem Unternehmen „Tellertaxi“, einem Catering-Dienstleister mit Sitz in Bönnigheim, selbstständig machte. Anschließend beriet er mit dem eigenen Unternehmen „ifekt marketing“ Kommunen beim Thema Stadtmarketing; entwarf unter anderem, wie er selbst sagt, als „Praktikum für Mühlacker“ ein Konzept für die Einkaufsstraße Endersbach im heimischen Weinstadt.

Bis zum Ende des Jahres hat Thomas Müller noch einen 50-Prozent-Auftrag als Berater von Existenzgründern an der Universität Stuttgart. Anschließend werde er sich – das eigene Unternehmen hat er aufgegeben – mit voller Kraft dem Citymanagement in Mühlacker widmen.


(Mühlacker Tagblatt vom 5. Oktober 2010, Text und Foto: Thomas Eier)


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