GHV verlässt Bund der Selbstständigen

Hohe Beiträge schränken den Handlungsspielraum des Mühlacker Gewerbevereins ein

Der Landesverband des Bundes der Selbstständigen verliert den Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein Mühlacker als Mitglied. Einstimmig beschloss die Mitgliederversammlung am Montag den Austritt aus dem Dachverband zum Ende des nächsten Jahres. Finanzielle Erwägungen bildeten den Beweggrund.

Mühlacker. Man sei stets zufrieden gewesen mit der Betreuung durch den Landesverband BdS, sagte der GHV-Vorsitzende Hans-Dieter Slobodkin („Dürrmenz-Bäcker“). Doch die Beitragsstruktur des Landesverbands schränke die finanzielle Handlungsfähigkeit des Ortsvereins erheblich ein: Rund die Hälfte des 100 Euro betragenden Mitgliedsbeitrags im GHV Mühlacker fließt an den Landesverband ab, und das sind im Jahr mittlerweile rund 7000 Euro.

Vize Hans-Ulrich Wetzel (Elser Gruppe) räumte ein, dass man sich im Vorstand und Ausschuss schwergetan habe, dem Landesverband den Rücken zu kehren, „auch aus Respekt vor dem früheren langjährigen Vereinsvorsitzenden und BdS-Funktionär Peter-Herbert Brintzinger“. Auch Wetzel räumte ein, dass der BdS eine wichtige Interessenvertretung der Selbstständigen sei und er deshalb „durchaus unsere Sympathie besitzt“. Tatsache sei aber auch, dass der GHV durch seine vielfältigen Aktivitäten ständig Neumitglieder gewinne, weil diese aus Überzeugung den GHV unterstützen wollten. Dieses Bemühen werde jedoch konterkariert, wenn ein derart hoher Anteil des Mitgliedsbeitrags an den Landesverband abfließe.

Der Leiter der Nordbaden-Geschäftsstelle, Klaus Schäfer, versuchte nochmals eine Kurskorrektur, indem er einige Eckpunkte der Verbandsarbeit beschrieb. So sei der BdS die einzige Netzwerk-Organisation, die bundesweit die Interessen auch kleinster Unternehmen vertrete. Und eine solche leistungsfähige Lobbyarbeit werde immer wichtiger angesichts immer neuer Verordnungen und Belastungen. Wobei der BdS auch immer wieder auf Erfolge verweisen könne, zuletzt etwa bei der Neuregelung der Rundfunkgebührenordnung für Firmenfahrzeuge. Eine derartige politische Interessenvertretung erfordere personelle und finanzielle Ressourcen und damit ein Beitragsaufkommen auf breiter Ebene.

Aus den Reihen der GHV-Mitglieder warf Kassierer Ralf Grieser in die Diskussion ein, dass es bei den aktiven Gewerbetreibenden in Mühlacker nicht allein beim GHV-Beitrag bleibe, dazu komme noch ein finanzielles Engagement für die Mühlacker Card und den Marketing-Verein „Mühlacker aktiv“. Trete ein Kollege dann noch als Sponsor bei Veranstaltungen auf, komme insgesamt schon mal ein vierstelliger Betrag zusammen. Deshalb könne man auch nicht grenzenlos an der Beitragsschraube beim GHV drehen.

So sah es nicht nur die Mehrheit der Versammlung, praktisch einstimmig – bei nur einer Enthaltung – folgten die mehr als 30 anwesenden Gewerbetreibenden und Freiberufler dem Antrag des Vorstands, zum Jahresende 2013 aus dem Landesverband auszutreten.

Einstimmig fielen zuvor auch die Voten bei den anstehenden Neuwahlen aus, bei denen Vorstandschaft und Ausschuss in nahezu unveränderter Besetzung bestätigt wurden. Vorsitzender Hans-Dieter Slobodkin zog in seinem kurzen Rückblick auf seine vierjährige Vereinsführung eine positive Zwischenbilanz und schwor seine Mitstreiter auf einen weiterhin engen Zusammenhalt ein. „Ich wollte bei meinem Amtsantritt erreichen, dass der GHV wieder deutlicher in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, und ich glaube, das ist uns gelungen.“ Wobei die Arbeit auf vielen Schultern laste und „wir zusammen einen guten Job machen“.

Ein eingespieltes Team bildet auch für die nächsten zwei Jahre den Vorstand beim Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein (GHV) Mühlacker mit Hans-Dieter Slobodkin (3.v.li.) an der Spitze und seinen Stellvertretern Martin Rudolf (li.) und Hans-Ulrich Wetzel (4.v.li.)

Dieses Engagement werde letztlich auch dadurch honoriert, dass die Zahl der Mitglieder stetig steige und inzwischen bei annähernd 140 liege. Auch Klaus Schäfer als Vertreter des Landesverbands bescheinigte den Senderstädtern, eine hervorragende Arbeit geleistet zu haben, „die auch über Mühlacker hinaus erkannt wird“.

(Mühlacker Tagblatt vom 18. April 2012, Text u. Foto: Norbert Kollros)


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